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 Serie vs. Romane 
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Neuling
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Registriert: So Sep 15, 2019 10:04 am
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Beitrag Serie vs. Romane
Hallo zusammen,

gestern war ich fertig mit dem Guck der Tripods-Serie. Dabei fiel mir auf, dass manche Folgen in dem DVD-Paket, das ich vor Jahren mal gesehen hatte, gar nicht enthalten waren. Also war es mir teilweise völlig neu.

Mein Fazit ist gemischt: Der erste Teil ist nahe an der Romanhandlung, zwar etwas ausgeschmückt, aber durchaus noch stimmig. Schon während der ersten Staffel schien die Handlung den Machern aber zu entgleiten :(
Die zweite Staffel hätte gut sein können, wenn man nicht so viel Unwichtiges eingebaut hätte.
Ich hatte den Eindruck, man fürchtete schon bald um die Finanzierung der restlichen Serie - BBC hatte schon während der zweiten Staffel die Unterstützung entzogen.

Die Episode auf Château de la Tour Rouge war arg breit gezogen und da kam zum ersten Mal zum Vorschein, was später die Serie dominieren und killen sollte: Die Konzentration auf die pubertierenden Jungs als Zielgruppe. Das war äußerst ungeschickt und hölzern und beschränkte sich im Wesentlichen auf immer neue Mädchen, die durch die Serie hüpften, aber die in den Romanen nicht vorkamen. Will sollte also unbedingt und ohne nähere Begründung die junge Gräfin heiraten. In einem Alter der Zielgruppe, in dem die Säfte steigen, ist das sicherlich legitim, aber wenn es dabei bleibt, und NUR dabei, ist das reichlich dünn!
Woanders hat man mehr Erfahrung mit der Zielgruppenperspektive: Die Romane wären ein maßgeschneiderter Stoff für einen klassischen Shōnen-Manga und ich staune immer noch, dass es in Japan keine Adaption dieses Stoffes gab. Die wäre jedenfalls besser gelungen! Auch da würden Mädchen nicht fehlen, aber das Wesentliche nicht verdrängen, nämlich die Entwicklung des Hauptcharakters. Die Romane geben dafür eine Fülle von Stoff her: Will Parker ist immer jemand geblieben, der impulsiv handelt und sich die Folgen nicht richtig überlegt, und das fällt ihm oft genug auf die Füße. Auch die Beziehung zu seinen Freunden ist wechselhaft und darüber legt er sich Rechenschaft ab, wovon in der Serie leider nichts zu sehen ist.

Eine wirkliche Schande ist die Darstellung der Reise zu den Spielen für die Auswahl der Sklaven. Im zweiten Roman fahren Will, Fritz und Jean-Paul den Rhein hinab. Will und Jean-Paul stranden nach einem von Will verschuldeten Zwischenfall mit einem selbstgebauten Floß auf einer Insel (die man übrigens genau identifizieren kann), wo sie in verzweifelter Situation von einem nicht geweihten Einsiedler freundlich aufgenommen werden, der sich die Hilfe aber gern durch Arbeit vergüten lassen würde, weil er gesundheitlich angeschlagen ist. Zum Dank rauben sie ihm das Boot, das seine einzige Möglichkeit war, sich zu versorgen. Sein Schicksal bleibt unbekannt. Wills Gewissenskonflikt wird dabei eindrucksvoll beschrieben. Auch in den Bergen werden Geweihte auf Raubzügen gelegentlich getötet - wer will, kann darin auch einen ständigen Zwiespalt erkennen.

Von alledem bleibt in der Serie nichts!

Im Gegenteil: Die Fahrt zu den Spielen wird in der Serie zu einer peinlichen Slapstick-Nummer, natürlich mit immer willigen Mädchen, die auch noch als Animateure während der Spiele Verwendung finden. Schlimmer geht's wirklich nicht!
Spätestens diese Folge war wohl der Anlass für BBC, die Reißleine zu ziehen. Ob "John Christopher" im Hintergrund an der Entscheidung beteiligt war, muss Spekulation bleiben.

Die Episoden in der Goldenen Stadt hatten wirklich Potenzial für Besseres. Die Tricktechnik war für ihre Zeit gut, aber die Möglichkeiten wurden verschenkt. Die elementare Not der Sklaven wurde weitgehend ausgeblendet. Im zweiten Roman wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Frauen in der Stadt gäbe, außer konserviert in der Halle der Schönheit, aber überall springen junge Zimmermädchen herum, die den Sklaven die Betten machen. Sogar eine Diskothek gibt es.
Die Phantasien heranwachsender Jungen werden bedient - und zwar extrem eindimensional und affirmativ, indem sie die Rolle der Mädchen als Dienerinnen noch der Sklaven darstellen, ohne sie in Frage zu stellen.

Und was sollte dieses Cognos-Ding, mit dem Will bekannt wurde und dem eine besondere Rolle zukam? Gut dass wir das nicht mehr wissen müssen.

"John Christopher" hatte den Machern der Serie ergiebige Themen auf dem Silbertablett serviert, Aspekte, die einer Fernsehserie für Jungen alle Chancen geboten hätten, über die Grenzen dieses Genres hinaus zu wachsen.
Alles wurde verschmäht!

Hätte sich doch ein Anime-Studio darüber erbarmt.


So Sep 22, 2019 7:56 pm
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Registriert: Mo Mär 22, 2004 12:41 am
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Beitrag Re: Serie vs. Romane
lunar_surfer hat geschrieben:
Hallo zusammen,

gestern war ich fertig mit dem Guck der Tripods-Serie. Dabei fiel mir auf, dass manche Folgen in dem DVD-Paket, das ich vor Jahren mal gesehen hatte, gar nicht enthalten waren. Also war es mir teilweise völlig neu.

Moin ;-).

Ich bin mir nicht sicher, was du mit "fehlenden Folgen" meinst. Ich hab' alle Boxen hier und es gibt Inhaltlich keine Änderungen (Abgesehen von der Box, die sich optisch verändert hat...).

lunar_surfer hat geschrieben:
Mein Fazit ist gemischt: Der erste Teil ist nahe an der Romanhandlung, zwar etwas ausgeschmückt, aber durchaus noch stimmig. Schon während der ersten Staffel schien die Handlung den Machern aber zu entgleiten :(
Die zweite Staffel hätte gut sein können, wenn man nicht so viel Unwichtiges eingebaut hätte.
Ich hatte den Eindruck, man fürchtete schon bald um die Finanzierung der restlichen Serie - BBC hatte schon während der zweiten Staffel die Unterstützung entzogen.

Nun, dies sind "Diskussionen", die zu praktisch jeder Verfilmung statt finden. Selten sind Adaptionen, sei es nun für den TV Bereich, oder Film/Kinobereich. Eine Finanzierung der dritten Staffel war so oder so obselet, da klar war, dass es diese nicht geben wird.

lunar_surfer hat geschrieben:
Die Episode auf Château de la Tour Rouge war arg breit gezogen und da kam zum ersten Mal zum Vorschein, was später die Serie dominieren und killen sollte: Die Konzentration auf die pubertierenden Jungs als Zielgruppe. Das war äußerst ungeschickt und hölzern und beschränkte sich im Wesentlichen auf immer neue Mädchen, die durch die Serie hüpften, aber die in den Romanen nicht vorkamen. Will sollte also unbedingt und ohne nähere Begründung die junge Gräfin heiraten. In einem Alter der Zielgruppe, in dem die Säfte steigen, ist das sicherlich legitim, aber wenn es dabei bleibt, und NUR dabei, ist das reichlich dünn!
Woanders hat man mehr Erfahrung mit der Zielgruppenperspektive: Die Romane wären ein maßgeschneiderter Stoff für einen klassischen Shōnen-Manga und ich staune immer noch, dass es in Japan keine Adaption dieses Stoffes gab. Die wäre jedenfalls besser gelungen! Auch da würden Mädchen nicht fehlen, aber das Wesentliche nicht verdrängen, nämlich die Entwicklung des Hauptcharakters. Die Romane geben dafür eine Fülle von Stoff her: Will Parker ist immer jemand geblieben, der impulsiv handelt und sich die Folgen nicht richtig überlegt, und das fällt ihm oft genug auf die Füße. Auch die Beziehung zu seinen Freunden ist wechselhaft und darüber legt er sich Rechenschaft ab, wovon in der Serie leider nichts zu sehen ist.

Ich sehe hier nicht, wie man eine Buchadaption, die von einem TV Sender adaptiert wurde, mit einem "Manga" vergleichen könnte. Schon alleine darum, dass Mangas (oder Animes) aus einem komplett anderen Sozialkreis entstammt.

Das Will sich mit Eloise anfreundet und dann heiraten soll, erschließt sich im Buch, so wie auch in der Serie. Sie verbringen Zeit miteinander und Will "trennt" sich, mehr und mehr, von seinen Freunden.

Der Konflikt zw. den drei Jungs ist offensichtlich, z.B. dargestellt durch die Schlägerei im Knappen-/Bedienstetenquartier, oder als Will den Jungs verbietet, Karten zu klauen, aber trotzdem ihnen weiter hilft, in dem er Kopiene der Karten anfertigt.

Was die 'Sexualisierung' die du hier ansprichst angeht, kann ich dem leider nicht zustimmen. Auch wenn wir z.B. Papagena und Zerlina hier mit einbeziehen. Die Bücher (abgesehen von Buch 0), stammen aus den 60ern und die Verfilmung aus den 80ern. Weder in den 60ern, 70ern noch 80ern hat sich da niemand d'rüber mukiert, wenn mal Brüste oder nackte Hintern im TV zu sehen waren. Ich denke, da biste ein wenig zu kritisch ;-).

lunar_surfer hat geschrieben:
Eine wirkliche Schande ist die Darstellung der Reise zu den Spielen für die Auswahl der Sklaven. Im zweiten Roman fahren Will, Fritz und Jean-Paul den Rhein hinab. Will und Jean-Paul stranden nach einem von Will verschuldeten Zwischenfall mit einem selbstgebauten Floß auf einer Insel (die man übrigens genau identifizieren kann), wo sie in verzweifelter Situation von einem nicht geweihten Einsiedler freundlich aufgenommen werden, der sich die Hilfe aber gern durch Arbeit vergüten lassen würde, weil er gesundheitlich angeschlagen ist. Zum Dank rauben sie ihm das Boot, das seine einzige Möglichkeit war, sich zu versorgen. Sein Schicksal bleibt unbekannt. Wills Gewissenskonflikt wird dabei eindrucksvoll beschrieben. Auch in den Bergen werden Geweihte auf Raubzügen gelegentlich getötet - wer will, kann darin auch einen ständigen Zwiespalt erkennen.

Von alledem bleibt in der Serie nichts!

Hier wurde offensichtlich einfach aus Kostengründen gespart, wie an vielen Stellen. Gerade die kleineren BBC Produktionen (darunter fielen damals auch, auch wenn man es nicht glauben mag, so Serien wie Doctor Who) musste das Budget echt klein gehalten werden. Man merkt dies auch, dass ab und an, kein Dreibeiner zu sehen ist, in manchen Folgen nur wenige Sekunden. Außerdem gab es (bereits) in den 80ern hohe Sicherheitsstandards, für Kinder- und Jugenddarsteller, so das eine Szene in einem Fluss, auf einer Holztüre, bei einer Insel, mit einer Hütte, weder finanziell, noch sicherheitstechnisch umsetzbar war. Daher dann der Wandel im Geschichtsverlauf, mit den zwei Mädels, der Hochzeit und der Flucht auf dem Dampfer.

lunar_surfer hat geschrieben:
Im Gegenteil: Die Fahrt zu den Spielen wird in der Serie zu einer peinlichen Slapstick-Nummer, natürlich mit immer willigen Mädchen, die auch noch als Animateure während der Spiele Verwendung finden. Schlimmer geht's wirklich nicht!
Spätestens diese Folge war wohl der Anlass für BBC, die Reißleine zu ziehen. Ob "John Christopher" im Hintergrund an der Entscheidung beteiligt war, muss Spekulation bleiben.

Ich bin mir nicht sicher, was du hier als "Slapstick" bezeichnest. Ich sehe hier niemand 'auf einer Banane ausrutschen' ausrutschen, o.Ä.. Und "Immer willigen Mädchen"... Dem kann ich nicht zustimmen. Die Mädels hatten gefallen an den zwei gefunden, dass war's dann aber auch schon.

lunar_surfer hat geschrieben:
Die Episoden in der Goldenen Stadt hatten wirklich Potenzial für Besseres. Die Tricktechnik war für ihre Zeit gut, aber die Möglichkeiten wurden verschenkt. Die elementare Not der Sklaven wurde weitgehend ausgeblendet. Im zweiten Roman wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Frauen in der Stadt gäbe, außer konserviert in der Halle der Schönheit, aber überall springen junge Zimmermädchen herum, die den Sklaven die Betten machen. Sogar eine Diskothek gibt es.
Die Phantasien heranwachsender Jungen werden bedient - und zwar extrem eindimensional und affirmativ, indem sie die Rolle der Mädchen als Dienerinnen noch der Sklaven darstellen, ohne sie in Frage zu stellen.

Ich habe hier eher das Gefühl, dass du hier generell alles zu stark sexuallisierst oder annimmst, dass die Macher der Serie dies so provozieren wollten. Wie schon weiter oben beschrieben, gab es finanziell nur einen kleinen Spielraum. Dafür, ist aber was wir gesehen haben, alles drin, was man dafür erwarten kann.

lunar_surfer hat geschrieben:
Und was sollte dieses Cognos-Ding, mit dem Will bekannt wurde und dem eine besondere Rolle zukam? Gut dass wir das nicht mehr wissen müssen.

Dies hat evtl. den Grund, dass ein weiterer "Mitstreiter" ins Gesamtbild musste, gegen die Meister. Leider sind mir die Plots zu Staffel 3 auch nicht bekannt, ob nun "Cognosc" und seine Kumpels da noch mehr eingreifen, oder nicht. Jedoch zeigte sich, als "Coggy" die Stadt verlies, dass die Meister ohne Energie praktisch verloren sind, was darauf hinweisen könnte, dass dies einer der Schlüsselelemente der dritten Staffel hätte sein können.

lunar_surfer hat geschrieben:
"John Christopher" hatte den Machern der Serie ergiebige Themen auf dem Silbertablett serviert, Aspekte, die einer Fernsehserie für Jungen alle Chancen geboten hätten, über die Grenzen dieses Genres hinaus zu wachsen.
Alles wurde verschmäht!

Und wieder kann ich mir hier nur wiederholen ;-). Es ist eine TV-Adaption und keine 1:1 Romanverfilmung (Falls sowas jemals wirklich gemacht wurde...).

lunar_surfer hat geschrieben:
Hätte sich doch ein Anime-Studio darüber erbarmt.

Bitte nicht ;-).

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Mo Sep 23, 2019 11:08 am
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Beitrag Re: Serie vs. Romane
lunar_surfer hat geschrieben:
Hallo zusammen,

gmit einem selbstgebauten Floß auf einer Insel (die man übrigens genau identifizieren kann),


um welche Insel handelt es sich?

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Di Okt 08, 2019 10:23 am
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