Hallo zusammen,
ich heiße Daniel. Ich darf sagen, dass ich „Dreibeiner-Fan“ der ersten Stunde bin, auch wenn ich mich erst jetzt in diesem Forum anmelde, das ich jedoch schon seit Jahren immer wieder mal besucht habe.
Ich erinnere mich noch gut – es muss im Jahr 1986 gewesen sein und ich hatte an dem Tag Halsschmerzen – als die erste Folge von „Die Dreibeinigen Herrscher“ über unseren Fernsehbildschirm flimmerte (War es nach den Sesamstraße? Keine Ahnung.). Wir hatten damals noch eine Zimmerantenne, aber ZDF konnte man – im Gegensatz zu RTL plus – ohne Störungen empfangen. Von da an war es um mich geschehen. Ich verpasste keine Folge. Ich erinnere mich noch, dass ich während dieser Zeit abends öfter mal im diffusen Licht meiner Schreibtischlampe saß und Landkarten mit meiner persönlichen Route von zuhause in die weißen Berge zeichnete – man konnte ja schließlich nie wissen. Und ja, ich gestehe es, ich versuchte auf meinem Home-Computer „Amiga 500“ irgendwann Ende der 80er Jahre in der Programmiersprache „Amiga BASIC“ (von C++ wusste ich damals noch nichts) mir ein eigenes „Dreibeiner-Spiel“ zu programmieren. Ich scheiterte natürlich kläglich.
Als damals schon einige Folgen gelaufen waren, bekamen wir einen Videorekorder („VHS und kein Video 2000, ist viel besser …“, tönte ich auf dem Schulhof) und ich nahm jene Folge auf Kassette auf, wo Will, Henry und Beanpole das Brot klauen und später den Dreibeiner in die Luft jagen (anscheinend wurden diese beiden Folgen damals als Doppelfolge gesendet). Ich habe die VHS-Kassette natürlich aufbewahrt und immer wieder alle paar Jahre angeschaut, von daher waren mir die Bilder immer präsent. Will, Henry und Beanpole, diese großen Jungs, wirkten jedoch von mal zu mal jünger.
Durch großen Zufall bin ich später auch in einer Buchhandlung auf die Taschenbuch-Ausgabe „Die dreibeinigen Monster“ gestoßen. Einige Jahre später musste ich feststellen, dass man diese bei Ebay für 100-150 € versteigern konnte. Ich behielt die Ausgabe dennoch bis heute.
So etwa im Jahr 2002 begann ich gänzlich grundlos im Internet über die „Dreibeinigen Herrschern“ zu recherchieren. Ich muss sagen, es war eine seltsame Erfahrung, dass es ein kleines Segment an Menschen gab/gibt, die in Bezug auf diese eine Sache genauso fühlen wie man selbst - für einen Außenstehenden kaum nachvollziehbar. Ich denke nur an
www.Wunschliste.de, wo die Dreibeiner lange auf Platz 1 standen. Ich war damals von einer bittersüßen Nostalgie gepackt, ein Gefühl, das ich nur schwer definieren konnte. Ich sah mir die alte Folge, die auf VHS überlebt hatte, an, besorgte mir zum Wucherpreis die CD von Ken Freeman mit dem Soundtrack, der wochenlang rauf und runter lief und las alles über die Tripods was es im Internet gab. Damals ging auch das Gerücht von Ceri Seels Tod um, was sich zum Glück als Fälschung herausstellte. Heute muss ich sagen, dass die Musik von Freeman ein machtvolles Instrument dieser Serie darstellt.
Als schließlich die DVDs erhältlich waren, gab es kein Halten mehr. Ich sah sie mir gleich mehrmals hintereinander an und es waren viele Aha-Effekte dabei, Dinge die man vergessen hatte und die mir plötzlich wieder einfielen. Ich weiß noch, ich hatte Urlaub in dieser Woche, und es war eine Zeit voll zufriedenem und ernstgenommenem Müßiggang, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Seltsamerweise beschworen die Bilder der Serie auch Erinnerungen aus meiner Kindheit herauf, die ich längst verschüttet glaubte – ich im Wald oder auf dem Feld oder auf der nahe gelegenen Schlackenhalde mit ein paar Kumpels, alle 10 oder 11 Jahre alt, und wir waren Will, Henry und Beanpole. Gerade die Schlackenhalde bei meinem Heimatdorf hat eine vage Ähnlichkeit mit der Location, wo unsere drei Jungs den Dreibeiner sprengten. Ich erinnere mich, wie Cola-Dosen uns als Handgranaten dienten.(!) Wir ließen den Ring dran (ja, die hatten damals noch Ringe zum abziehen), stachen ein Loch in die Seite, schlürften die Flüssigkeit heraus und fertig war die Handgranate – wie krank muss man denn sein? - So sind eben Jungs.
Jedenfalls, als ich die Filme wieder sah, war es, als würde die Zeit in sich zusammenfallen, als habe sie einen Schwächeanfall erlitten und da waren die guten alten 80er wieder – die nicht enden wollenden Sommerabende mit anschließendem Gewitter. Eben Dinge, die die Zeit versilbert hat.
Heute bin ich froh, wenn ich meinen Kindern diese Serie zeigen kann. Meine Tochter und mein Sohn sind mittlerweile alt genug, sie auf DVD anzuschauen und zu verstehen. Ich sehe zumindest in abgeschwächter Form die gleiche Faszination bei ihnen, die auch mich einst packte. Später sind sie dann voll Fragen, die wir dann z.B. vor dem Schlafen gehen besprechen und die manchmal ein bisschen tiefschürfend sind. Man kann ja die Kulturentwicklung unserer Kinder nicht nur Super RTL überlassen, oder?. Daran sehe ich, dass diese Filme auch in unbefangenen, hinsichtlich Special-Effekts und Erzähltempo überversorgten menschlichen Individuen immer noch etwas auslösen können. Sicher, dies ist keine Geschichte von Dostojewski oder Hemmingway (Gott sei Dank!), aber dennoch besitzt die Geschichte von John Christopher und auch die Serie einen gewissen Tiefgang, der mich auch heute noch nachdenklicher stimmt, als so manche „hohe Literatur“.
Bis heute gibt es keine Serie, die mich so gepackt hat und nachhaltig so beschäftigt wie die „Dreibeiner“. Ja, ich liebe auch „Das Geheimnis von Twin Peaks“ sehr oder „Akte X“ (ja, ich weiß!) oder „Doctor Who“ und was es so alles gibt. Und obwohl diese Werke sicherlich in vielerlei Hinsicht „besser“ sind als „Die Dreibeiner“, vermögen sie dennoch nicht solch tiefe Schichten in mir anzusprechen. Die Dreibeinigen Herrscher bleiben nun mal ein Teil meiner Kindheit.
Kurz zu meiner Person: Ich bin vermutlich ungefähr so alt wie Ihr alle hier, arbeite in einer öffentlichen Verwaltung, habe Frau und Kinder und schreibe nebenher noch Bücher. Wenn meine Ausführungen langweilig oder etwas melodramatisch waren, dann tut es mir leid. Es hätte ja auch gereicht zu sagen, dass ich das Buch und die Serie total geil finde, das wäre der Wahrheit ebenso nahe gekommen.
Gruß
Daniel